Mädchen am Schreibtisch

Stottern in einem Start Up? Kein Problem!

Start Up, alteingesessene Firma oder wo auch immer – eigentlich sollte Stottern nirgendwo ein Problem darstellen. Dass das jedoch nicht der Normalfall ist, wissen wir vermutlich alle. Ich hatte Gott sei Dank ganz besonderes Glück mit meiner Arbeitsstelle. Und ich finde, dass jeder der sich gerade mit seinem Stottern im Job nicht wohlfühlt, wissen sollte, dass es auch anders geht! Fangen wir von vorne an.

Mein Vorstellungsgespräch

Tatsächlich hatte ich nach meinem Studium nur ein einziges Vorstellungsgespräch – nämlich das bei meinem jetzigen Job.  Ich bewarb mich als Online Redakteurin für einen Möbel Onlineshop und ging unfassbar nervös, stark stotternd und rot angelaufen ins Gespräch mit einem Bewerber-Auswahl-Komitee von drei Leuten. Man hat ihnen natürlich angesehen, dass sie erst etwas verdutzt waren, doch alle drei machten schnell klar, dass mein Sprechfehler kein Problem darstellt. Wir redeten sogar nach dem eigentlichen Bewerbungsgespräch über Reisen und stellten fest, dass ich fast zeitgleich mit meiner jetzigen Chefin in Neuseeland war. Da das Bewerbungsgespräch also noch mit ein wenig Smalltalk endete, ging ich mit einem relativ guten Gefühl nach Hause, bekam jedoch drei Tage später die Absage. Begründung war die, dass ich zu wenig Erfahrung in einer Online-Redaktion habe.

Es hatte sich für mich jedoch alles so richtig angefühlt, dass ich diese Entscheidung nicht akzeptieren wollte. Also schrieb ich einfach meiner Chefin und schlug ihr vor, mich erst für ein Praktikum einzustellen. So blieb genug Zeit auszutesten, ob ich mich schnell in die Arbeit einer Online Redaktion einfinde oder eben nicht. Außerdem war ich mir damals nicht sicher, ob dass der wahre Grund war oder ob sie nicht vielleicht doch etwas Bedenken wegen meinem Stottern hatten. Deshalb war ich der Meinung, ein Probelauf, um von meinem Können und davon zu überzeugen, dass mein Stottern kein Problem darstellen wird, ist eine gute Idee.

Und das war es scheinbar auch – ich wurde eingestellt. Ausgemacht waren 6 Monate Praktikum, nach 2 Monaten hatte ich jedoch bereits meine Festanstellung in Vollzeit.

Fazit Nr. 1: Hartnäckig sein lohnt sich! 

Mein Team

Nun arbeite ich seit fast 4 Jahren in meinem jetzigen Job. Mittlerweile bin ich keine Praktikantin und auch keine Online Redakteurin mehr, sondern bin Content und Social Media Managerin. Einige Kollegen sind ebenfalls so lange da, andere sind im Laufe der Zeit neu dazu gekommen, doch bei niemandem war mein Stottern je ein Problem. Eher im Gegenteil. In allgemeinen Feedback-Gesprächen habe ich immer wieder gesagt bekommen, dass mein Stottern mich zu etwas ganz besonderem macht. Und das Schönste: Vor allem meine Chefin supported mich wo sie kann und macht mir ganz klar, dass mein Stottern überhaupt nicht schlimm ist. 2 Monate Stottertherapie? Kein Problem. Ständige Sprachnachrichten mit ihr, wie es mir während der Therapie geht? Ja klar. Mich persönlich & beruflich immer weiter pushen? Auf jeden Fall. Einen Chef/eine Chefin zu haben, die voll und ganz hinter einem steht, ist einfach gold wert.

Während ich anfangs mein Stottern noch versucht habe zu vermeiden und auch mit kaum jemandem darüber reden wollte, spreche ich heute ganz offen darüber. Und wenn ich einen schlechten Tag/eine schlechte Zeit habe und stark stottere, dann ist das eben so. Insbesondere nach meiner Stottertherapie in Bonn habe ich gemerkt, dass meine Kollegen sogar näheres über Stottern erfahren wollen. Daher:

Fazit Nr. 2: Direkt offen mit dem Team übers Stottern reden!  

Für mich käme es heute nicht mehr in Frage, in einem anderen Umfeld zu arbeiten. Ich finde, genau so wie es bei mir ist, sollte es auch in anderen Unternehmen sein. Stotterer, die schräg von Kollegen/Chefs angeschaut werden oder Kollegen, die Gespräche mit einem vermeiden, sind für mich unvorstellbar. Ich kann nur jeden ermutigen, dem es vielleicht gerade so geht, dass der-/diejenige sich eine neue Stelle suchen sollte. Denn es gibt sicherlich eine Menge anderer Unternehmen, dessen Mitarbeiter und Chefs garantiert besser mit Stottern umgehen.

Sabrina Weixler




Wie reagieren eure Chefs und eure Kollegen auf euer Stottern? Schreibt eure Erfahrungen gerne in die Kommentare!

Alles Liebe,
Sabrina

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